Lauter interessante Gedanken - nur dass man gerne um sie gewusst hätte, als Herr Greenspan noch Notenbanker war und an den Schalthebeln der Macht saß. Warum nur hat der Mann, der heute so viel über die Fehlbarkeiten von Politik und Wirtschaft weiß und Vorschläge für eine bessere Politik gleich mitliefert, nicht damals donnernd seine mahnende Stimme erhoben? Warum hat er nicht die offene Konfrontation mit dem Präsidenten gesucht, als dieser die Wirtschaft des Landes ruinierte? Warum hat er Ende der neunziger Jahre mit seiner sorglos anmutenden Politik des billigen Geldes die Hasardeure des Internetzeitalters zu ihren Höhenflügen erst animiert, die rasch zu Sturzflügen wurden? Natürlich sind das Fragen, auf die Greenspan immer die passenden Antworten hat, und nie sind die Fehler bei ihm zu finden. Die Immobilienkrise habe er nicht vorhersehen können, beharrt er gegen seine Kritiker. Man habe zwar von einigen Buchungspraktiken gewusst, aber es sei sehr schwierig gewesen, dagegen vorzugehen. Da nähert sich der Halbgott gedanklich gefährlich den deutschen öffentlich-rechtlichen Hobby-Unternehmern, denen mal eben eine Landesbank oder eine Sparkasse aus dem Ruder läuft. — Marc Beise zu Greenspans Autobiographie und seinen Aussagen zu Bushs Wirtschaftspolitik und dem Irak-Krieg; SZ 18.9.2007.
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