Die Tatsache, dass immer dann der Name Gottes fällt, wenn ein nachgeborener Musiker überwältigend die Stimme hält und weltläufig zum großen Orchester croont, gilt ja vielerorts als journalistische Faulheit. Aber beginnt Jens Lekmans neue LP etwa nicht wie Scott Walkers “It’s Raining Today”? Und ist “A Postcard To Nina” nicht auch eine Art Erinnerung an Walkers aus rätselhaften Gründen kommerziell gestrandetes Großwerk “Scott 4”? Das Cover von “Night Falls Over Kortedala” zeigt Jens Lekman gedankenverloren beim Himmels-Haareschneider - ein Bild, das gut zum Stilisten und Poseur aus Göteborg passt. Vielleicht war es damals das reizende “I Saw Her At The Anti War Demonstration”, vielleicht die Left-Banke-Samples in “Black Cab” und “Maple Leaves”, vielleicht auch Albumtitel wie “When I Said I Wanted To Be Your Dog” oder “Oh You’re So Silent, Jens”, die Lekman vom Gewöhnlichen abhoben, und “Night Falls Over Kortedala” ist nun seine bisher schönste und verschwenderischste Platte.
—spiegel.de zu Jens Lekman’s Album “Night Falls Over Kortedala”